AusflugBalladeClubMitgliederReiseTreffen

Welttreffen Ericeira 17

Stefan und ich fuhren zusammen ans 2CV Welttreffen in Ericeira, Portugal. Für Stefan wars ein Muss, weil er schon vor 30 Jahren zu dem damaligen Weltreffen gefahren ist. Mit seinem damals brandneuen Döschwo. Den hat er immer noch. Er sieht heute besser aus als neu. Stefans Ziel: Zusammen mit diesem treuen Gefährten in vergangenen Zeiten schwelgen.

Für mich wars ein Nobrainer. Ich mach sowas bekanntlich gerne. Bin gerne unterwegs mit meinem Leo. Mit dem Welttreffen Ericeira 17 hatte ich einen Zielpunkt. Das ist immer gut. Die Bewerbung der Schweiz für das Welttreffen 21 erhöhte die Attraktivität von Ericeira zusätzlich. Die Leute vom Komitee brauchen Unterstützung, dachte ich mir. Aber grundsätzlich ist ganz klar – der Weg ist das Ziel für mich!

Stefan und ich machten uns früh Gedanken, wie wir die ganze Sache angehen wollen. Schliesslich liegt ja Ericeira nicht gleich um die Ecke. Wir wollten die Autobahn möglichst vermeiden, speziell in Frankreich. Allerdings mussten wir von total 2100km ausgehen. Und das war vielleicht eher knapp gerechnet!? Wir haben jedenfalls mal diese Reiseroute (Hinreise) festgelegt:

FRANCE 
Pontarlier, Lons-le-Saunier, Macon, Roanne ?, Clermont-Ferrand, Ussel, Tulle, Brive-la-Gaillarde , Perigueux, Bergerac, Marmande, Mont-de-Marsan, Dax, Bayonne

ESPAGNA 
Pamplona, Logrono, Burgos, Valladolid, Salamanca , Ciudad Rodrigo

PORTUGAL 
Guarda, Coimbra, Rio Maior, Torres Vedras, Ericeira  

 

Das war der Plan. Und so ist es dann gekommen:

Hinreise 22.7.17 – 8:00h 
Start in Bern mit. 48’753km, Ankunft um ca. 17:00h in Gannat bei Clermont-Ferrand. Km-Stand 49’206. Übernachtung im Camping Municipal, Kosten Übernachtung insgesamt €12.40 für 2 Autos und 2 Personen! Alles bestens, keine besonderen Vorkommnisse. Stefan musste allerdings aus seinem Kanister nachtanken, weil er Angst hatte, die nächste Tankstelle nicht zu erreichen. Und, die D14 von Tournus nach Cromatin, später Charolles ist eine Route du Vignoble Mâconnais und wunderschön. Absolut empfehlenswert, wenn man Zeit hat. Es ist eine kleine Strasse.

In Gannat haben Stefan und ich sehr gut und günstig zu Abend gegessen! Wir bezahlten total €41.50 für 2 Personen. Mein Fleisch kam auf einem Lavastein und war warm bis zum Schluss. Ausserdem war es zart und wirklich á point. Die Pommes perfekt und der Salat knackig. Einzig der Côte du Rhône ist ein wenig abgeflacht. Aber es kann ja wirklich nicht alles perfekt sein 😊

 

23.7.17 
Ankunft ca. 18h auf dem Campingplatz von Pomport mit 49’627km. Pomport ist ca. 10km südwestlich von Bergerac. Es gibt hier einen Campingplatz an einem kleinen See. Stefan ist baden gegangen, ich trinke mein Bier nachdem ich das Zelt aufgestellt habe.

Der heutige Tag ist gekennzeichnet durch mehrmaliges Verfahren. Zuerst war da, baustellenbedingt, eine grobe Umleitung der Nationale über einen kleinen Pass mit massiven Serpentinen. Für uns kein Problem, für den riesigen Camper vor uns schon eher.

Dann wieder eine Umleitung in Ussel. Die war so schlecht signalisiert, ich habe erst nach ca. 15km gemerkt, dass ich falsch lag. Also wieder zurück auf Feld 1, neuer Versuch. Der klappte dann, aber die Zeit war vertan 🙁 Ussel übrigens ist eine grauenhafte Stadt, der visuelle Horror!

Und weil aller guten Dinge drei sind, hats uns in Périgueux nochmal schlimm getroffen. Die ganze Umleitung bis ins Stadtzentrum und danach das Ganze wieder retour. Ich war schon recht müde und habe mich elend genervt. Was zum Geier tue ich in diesen dämlichen Industriegebieten westfranzösischer Städte?

Generell war die Route aber gut gewählt. Speziell die riesigen Waldgebiete der Auvergne und der Corrèze sind beeindruckend und bei schönem Wetter sicher ein Genuss. Und die Dordogne ist sowieso ein Lieblingsdepartement von mir. Die Vegetation ist unglaublich. Zusammen mit den putzigen, kleinen Häusern ists eine Augenweide.

Ausserdem sind wir vielfach fast alleine unterwegs. Kein Verkehr.  Wir haben heute einzig 3 Holländer auf dem Weg nach Ericeira gesehen. Daneben noch einige französische 2cv. Alle immer sehr nett, man grüsst und lächelt. Auch wenns ein T2, ein Ami 8 oder ein Caddy Fleetwood ist. So soll es sein. Das gibt Kraft für weitere Umleitungen.

 

24.7.17  
Ankunft ca. 20h in Salinas bei Pamplona mit 50’050km. Wir nehmen da ein Hotel. Das hat einen einfachen Grund:

Es hat gestern in der Nacht zu regnen begonnen und eigentlich bis jetzt durchgehend geregnet. Manchmal schwächer und manchmal mit der ganzen Intensität eines windgepeitschten Starkregens. Da hatten meine kleinen Scheibenwischer ihre liebe Mühe mitzukommen. Ein Wischerblatt gibt demnächst den Geist auf. Ich habs schon mal vorsorglich von der. Fahrer- auf die Beifahrerseite gezügelt. Da wird Ersatz fällig in Ericeira.

Wir sind von Pomport nach Mont-de-Marsan, danach über Orthez nach Saint-Jean-Pied-Le-Port an die spanische Grenze. Da wurden bei mir Erinnerungen wach. Vor fast 10 Jahren bin ich da durch auf meinem Jakobsweg nach Santiago de Compostella. Saint-Jean-Pied-Le-Port ist ein beliebter Ausgangspunkt für den spanischen Camino Frances, heute überfüllt und vermarktet bis zur Lächerlichkeit. Wir beschlossen deswegen jedenfalls, noch am gleichen Abend den Uebergang über die Pyrenäen zu wagen. Der hats in sich. Stefan und ich gratulierten uns auf der Passhöhe gegenseitig zum Bergpreis! Danach gings hinunter nach Pamplona, wo wir nach einigen Ehrenrunden im Stadtzentrum, ausserhalb endlich ein vernünftiges Hotel fanden.

Viel mehr gibt’s zu dieser Etappe nicht zu sagen. Nach den Verwirrungen und Verwirrungen der Vortage fahre ich nun nach den Google-Maps im Handy. Läuft perfekt. Ausserdem gibt’s im ganzen Departement Landes wohl kaum mehr als 5 Kurven, dafür aber viele, was sage ich da, NUR Bäume. Und schlimmen, ermüdenden Seitenwind vom Meer her. Nach Orthez durchfährt man das Béarn, eine extrem grüne, hügelige Landschaft mit Blick auf die Pyrenäen. So man diese denn sehen könnte. Wir konnten nicht, wir sahen nur graue Wolkenfetzen und Nebelschwaden. Wenn der Starkregen mal ein wenig Atem holte.

 

25.7.17  
Ankunft ca. 19h in Valhelas bei Guarda mit 50’726km. Das ist schon ca. 50km in Portugal und, wegen der Zeitverschiebung, ists hierzulande noch immer 18h.

Heute haben wir also fast 700km geschafft. Das ist nur auf der Autobahn möglich. Nach anfänglichen 100 Kilometern auf kleinen Landstrassen durch (stinkende) spanische Agrarwüsten wechselten wir nach Logroño auf die Autobahn. Diese, perfekt ausgebaut, führte uns entlang des Jakobsweges gen Westen. Viele Pilger waren unterwegs, viele Erinnerungen kamen bei mir hoch. Nach anfänglich kühler Witterung brannte die Sonne ab Burgos so richtig spanisch. Die riesigen Dimensionen der spanischen Landschaft verschmelzen mit der monotonen Fahrerei auf der leeren Autobahn zu einem einzigartigen Erlebnis. So richtig zum Abhängen und Tagträumen. So richtig nach meinem Geschmack. Und wohl auch Leo’s. Der lief bei den 30+ Grad wie ein Oergeli!

Aber irgendwann ist auch die spanische Autobahn zu Ende und du stehst vor dem Grenzübertritt nach Portugal. Nicht dass das ein Problem bieten würde. Man ist ja weitgereist und weltgewandt. Und checkt nach 15 Minuten geduldigen Erklärens einer netten Hostess die bahnbrechende, elektronische Autobahn Vignette Portugals. Erstaunlich clever, die Vignette meine ich. Leider checkt man dann die lautstarken Erklärungen der portugiesischen Landbevölkerung eher weniger und sucht so ewig nach einem Campingplatz. Nun, wir haben ihn schliesslich doch noch gefunden und sind sehr zufrieden. Es hat wieder einen kleinen See zum baden, viele weitere Deuchistes zum quatschen und ein Restaurant. Und in diesem Restaurant gibt’s ein sagenhaftes Menü mit allem Drum und Dran für €21.50. Inklusive zuvorkommenden Service und hervorragendem Wein aus dem Douro. Und das ist der Endpreis nicht für eine, sondern für 2 Personen! Was will der Mensch mehr?

 

26.7.17  
Ankunft ca. 17:30h in Ericeira mit 51’139km. Das ergibt ein Total von 2’386km ab Bern. Wegen der starken Waldbrände nahmen wir den weiteren Weg entlang der Küste. Es war nicht klar, ob die Autobahn gesperrt wird. So kamen wir erst spät in Ericeira an.

Und dann standen wir da. Und standen und standen für eine geschlagene Stunde in der Warteschlange herum und bekamen dann den Bescheid, dass der Campingplatz überfüllt sei und wir deshalb nicht mehr hinein könnten. Das hat uns richtig aufgestellt nach knapp 2400 Kilometern Fahrt zu eben diesem Campingplatz. Wie man der FB-Seite entnehmen kann, haben sich auch andere sehr darüber gefreut. Als Alternative hat man uns den Besucherparkplatz angeboten. Dieser allerdings, direkt über einer Schnellstrasse gelegen, zeichnete sich vorallem damit aus, dass er staubig, windig, infrastrukturlos, absolut schattenfrei und unglaublich uneben, was sage ich, extrem steil ist. Ausserdem gabs da, trotz der widrigen Umstände, auch schon keinen Platz mehr. Im Grossen und Ganzen kann man  also getrost von einer Organisation für den A…. sprechen.

Kein Einlass und auf dem Besucherparkplatz wollte ich auch nicht bleiben. Ich entschloss mich deshalb, auf der einzigen noch nicht verstopften Strasse nach einem Hotel zu suchen. Diese Strasse führte uns dem Strand entlang in nördliche Richtung. Nach einer wirklich grossartigen Aktion portugiesischer Passanten fanden wir sehr schnell zu dem Hotel Retiro do Camarão in São Pedro da Cadeira. Diese hilfsbereite Frau und ebenso die drei Männer haben mein mittlerweilen doch eher ramponiertes Image von Portugal massiv zum Positiven zurechtgerückt. Die Verständigung. erfolgte in bruchstückhaftem Englisch, primär aber über die Augen und die Hände. Eine wunderschöne Erfahrung. Sie empfahlen, nein reservierten uns mittels Handyanruf dieses perfekte Hotel nicht weit vom Meeresstrand. Grosse, komfortable Zimmer. Für unsere Verhältnisse lächerlich günstig. Und mit einer vorzüglichen Küche im angeschlossenen Restaurant. Bis auf den Ziegenkäse als Nachtisch. Den isst man doch wohl besser in Frankreich.

 

Welttreffen Ericeira 27.7.17 
Heute ist der erste Tag am Welttreffen. Nach einem reichhaltigen Frühstück fahren Stefan und ich wieder zur Anmeldung. Wir lösen ein Tagesticket für €25, weil die Situation mit dem Camping immer noch unklar ist. Trotz der Eintritt-Badges können wir nicht in den ’normalen‘ Camping einfahren. Der ist für uns nach wie vor tabu, weil überfüllt. Schade, der Campingplatz ist absolut top, aber leider einfach zu klein.

Wir stellen unsere Autos also auf dem Besucherparkplatz ab und betreten das Gelände zu Fuss. Der Morgen ist recht kühl mit Hochnebel vom Meer her. Der Flohmarkt ist im vollem Gange. Stefan und ich suchen und finden das Schweizercamp. Das ist sehr schön gelegen. Allerdings ist kein Mensch da. Schliesslich erscheint Lurch und wir quatschen ein wenig. Der Hammer: für unsere Zelte wäre ein Platz reserviert. Dieser Platz ist noch frei.

Beim Stand der Schweiz 21 treffen wir später auf die meisten der  angereisten Schweizer. Der Stand präsentiert grafisch und funktionell sehr ansprechend und durchdacht. Unsere Helfer schenken Wein aus. Dazu gibt’s Tête de Moine oder Fondue. Die Folkloregruppe vollführt einen Heidenlärm mit ihren Treicheln und Fahnen. Sie kreisen durch das ganze Treffengelände. Die Leute sind mit Hirtenhemden und Trachten toll und authentisch kostümiert. Zum Abschluss der Darbietung wird gejodelt und zwar sehr gekonnt. Die Darbietungen kommen gut an. Ausserdem sind jedem Treffensack ein informativer, mehrsprachiger Flyer und eine Visitenkarte beigelegt. Insgesamt ein sehr positiver Auftritt für die Schweiz, sehr professionell. Gratulation!

Am Nachmittag mache ich allein eine kleine Ausfahrt dem Strand entlang. Stefan ist mit zügeln beschäftigt, er will ab jetzt auf dem reservierten Platz im Schweizercamp nächtigen. Klar, for old times sake! Mit viel Glück und der tatkräftigen Hilfe von Willi gelingt es ihm, sich an der Eingangskontrolle vorbeizuschleimen. Ich beschliesse im Hotel zu bleiben, mag nicht mehr wechseln.

Ich fahre bis Peniche, einer Fast-Insel ca. 50km nördlich von Ericeira. Die portugiesische Küste ist atemberaubend und das Städtchen Peniche sehr malerisch. Ein schöner Ausflug. Ich fahre danach zurück ans Welttreffen, quatsche herum und mache Bilder. Es sind gute Gespräche mit interessanten Leuten. Dann esse ich einen feinen Hamburger und fahre zurück ins Hotel. Bei der Rückfahrt geniesse ich einen spektakulären Sonnenuntergang.

Leider kann ich, trotz anfänglicher Zusicherung des Hoteliers, doch nicht für zwei weitere Nächte im Hotel bleiben. Die portugiesische Wochenend-Kundschaft ist ihm offenbar wichtiger. Ich fühle mich zunehmend verschaukelt. Offenbar wollen mich diese Portugiesen einfach nicht da haben?!

 

28.7.17 
Die Bekanntgabe des Austragungsortes für das Welttreffen 21 war sicher DAS Ereignis von heute. Sie sollte ab ca. neun Uhr abends stattfinden.

Vorher war bei mir aber nochmal Wohnungswechsel angesagt. Ich fand vorige Nacht eine nette, kleine Wohnung über booking.com. Ich war froh, wir haben ja Hochsaison. Ausserdem ist die Wohnung mit €50 pro Nacht sehr günstig.

Die Wohnung entpuppte sich dann als geräumige Autogarage. Der clevere Portugiese hat sich ein schönes Haus gebaut. Dort wohnt er oben. Unten gibt’s diese grosse Garage. Die ist ausgebaut mit Küche und Bad und voll möbliert. Im Sommer wird sie vermietet und im Winter stellt er seine Autos rein. Das hat schon was!

Ich zügelte also und schlief am neuen Ort eine Runde. Ich fühle mich sehr wohl hier. Die Vermieterin ist ausgesprochen nett und hilfsbereit.

Ausserdem besuchte ich heute den Teilemarkt zum zweiten Mal und war positiv überrascht. Nun hatte es richtig viele Anbieter und die Stände waren alle auf. Ich kaufte also dieses Teil für Marc und suchte die Kopfstützen für Claudio. Da wurde ich leider nicht fündig. Ich habe mir rote Racing Zündkabel geleistet. Da läuft der Leo doch gleich nochmal viel besser. Irgendwie ist das ganze ja wie früher die Drissgertöffli frisieren. Macht ähnlich Spass und ist völlig ungefährlich. Geistig, meine ich 🙂

Am Abend dann versammelte man sich vor der Bühne. Die Spannung stieg. Nach den diversen Grussworten wurde die Urne geöffnet. Die erste Stimme ging an Switzerland, die zweite ging an Switzerland, die dritte …

Mit der Zeit wurde die Auszählung fast ein wenig monoton. Von den insgesamt etwas über 50 abgegebenen Stimmen votierten eine erdrückende Mehrheit für die Schweiz. Bei 30 Stimmen haben wir aufgehört zu zählen! Italien und Frankreich konnten gottseidank mit je 3-4 Stimmen das Gesicht wahren. Anfänglich sah es eine Zeitlang aber gar nicht danach aus, speziell Frankreich musste bis zum Ende zittern.

Nach diesem Adrenalinschub hiess es für alle Schweizer auf die Bühne. Der Jura und selbstverständlich Zürich waren stark vertreten. Insgesamt waren recht viele Schweizer anwesend. Einzig die Berner glänzten mehrheitlichst durch Abwesenheit. Das fiel nicht nur mir auf. Fast schon ein wenig peinlich.

Auch die anschliessende Verdankung war vom OK perfekt vorbereitet und wurde in sechs! Sprachen vorgetragen. Dem Komitee und all den Helfern sei an dieser Stelle nochmal ein grosses Dankeschön ausgesprochen. Die Präsentation der Schweiz als Synthese menschlicher Werte und professioneller Perfektion ist voll gelungen. Nach dem organisatorischen Debakel bei der Ankunft in Ericeira hat das Vertrauen in schweizerische Organisation, Pünktlichkeit und Effizienz wohl wesentlich zu diesem Kanterergebnis beigetragen. Ein grosser Vertrauensbeweis, verbunden mit einer nicht minder grossen Herausforderung fürs 21!

 

29.7.17 
Erst schlaf ich heute mal aus in meiner Garage. Nach einer anregenden Dusche gibt’s einen schönen Tee. Dazu redigiere ich in aller Ruhe erstmalig diesen Bericht.

Danach fahre ich wieder an das Treffen und besuche ein weiteres Mal den Flohmarkt. Ich mache Bilder, hier sind einige davon:

Ich erstehe ein Lenkrad. Nicht original aber genau mein Stil. Wunderschön! Danach führe ich ein langes, entspanntes Gespräch mit einer neuen Bekanntschaft, Jean-Luc aus der Ardèche. Das ist der nette Herr mit dem 1300er Ami. Und verabschiede mich schliesslich von Stephan, Stefan und Willi. Um 14:00h verlasse ich das Treffengelände ein letztes Mal.

Der weitere Nachmittag ist einer Ausfahrt gewidmet. Sie führt mich über Sintra nach Cascais und von dort dann zum Cabo da Roca, dem westlichsten Punkt Europas. Die Fahrt dahin entlang der Atlantikküste ist schlicht atemberaubend. Die wilde Brandung hämmert ungezügelt an die Küste. Das Menschlein wird ganz klein.

Sonst aber ist Portugal in diesem Teil schon sehr eng besiedelt. Die Nähe der Metropole Lissabon ist spürbar. Die Autos werden teurer, deutsche Markenprodukte allenthalben. Und die Strassen werden schlechter, voller Schlaglöcher. Die gibt’s zwar überall in Portugal, hier aber sind sie noch zahlreicher und ein paar Zentimeter tiefer.

Die Rückfahrt verläuft problemlos. Zuhause werde ich von meinen Vermietern in ein längeres Gespräch (2+ Std) verwickelt. Er spricht kein Englisch und ist stumm wie ein Fisch. Sie spricht wie ein Buch und ist sehr stolz auf ihren Neubau. Sie  erläutert ihn mir im Detail. So genau hätte ich es eigentlich gar nicht wissen wollen. Daneben lerne ich aber auch viel übers Leben in Portugal und das ist nun wieder sehr interessant. Schliesslich packe ich noch für morgen. Ich bin bereit für die Rückfahrt in die Schweiz.

 

Rückreise 30.7.17 – 9:00h 
Start in Mafra mit 51’537km. Ankunft um ca. 18:30h in Béjar bei 52’163km. Béjar ist knapp 100km südlich von Salamanca.

Nach einem verhaltenen Start in Portugal entwickelte sich der heutige Tag zur Hitzeschlacht. Bis zur spanischen Grenze war die Fahrt sehr angenehm, z. T. sogar spektakulär. Ich denke da an die riesige Autobahnbrücke bei Lissabon über den Tajo. Gewaltiges Bauwerk. Da hatte es auch recht viel Verkehr, die Portugiesen wollten wohl alle in die Algarve.

Nach der Grenze zu Spanien wurde es heiss. Sehr heiss! Ich denke, ich bin die meiste Zeit bei knapp 40 Grad gefahren. Ich ertrage das recht gut und auch Leo hat die Tortur klaglos weggesteckt. Einzig der ewige Gegenwind und die konstant hohe Geschwindigkeit hat ihn zu einem fast schon masslosen Benzinkonsum verleitet. Wir sprechen hier von fast 9 Litern auf 100km! Auf der Landstrasse nimmt er normalerweise knapp 6 Liter. Aber ich sag ja nichts, wenn er auch den morgigen Tag so durchsteht. Der verspricht ähnliche Temperaturen und Sensationen wie heute. Nämlich eigentlich gar keine. Die Landschaft ist sowas von eintönig. Ich versprach mir einiges von der Extremadura. Schweine unter Korkeichen an kleinen Wasserläufen etc. Deswegen habe ich auch diesen Rückweg gewählt. Aber ich glaube in Spanien gibt’s einzig Strände, Städte und zwei Arten von Landschaften. Einerseits die Agrarwüsten mit Kornfeldern und andererseits endlose Olivenhaine. Gut, daneben vielleicht noch ein paar Sierras und die Pyrenäen.

Heute Abend wollte ich unbedingt wieder mal campieren. Aber das ist in Spanien wohl nicht so angesagt. Hinweisschilder ab der Autobahn oder der Landstrasse gibt’s praktisch nicht. Also habe ich meine neue Campingplatz-such-App zum ersten Mal ausprobiert. Und die hat mich beim ersten Mal locker mitten in einen See geschickt. Beim zweiten Mal eine Bergstrasse rauf, weit über die Baumgrenze, welche grösstenteils im ersten und zweiten Gang bewältigt werden musste. Danach galt es ein Bergdorf zu queren, wo die Strassenbreite selbst für den 2cv eine Herausforderung darstellten. Von den Kurvenradien wollen wir jetzt hier nicht sprechen. Immer wieder zurücksetzen. Immer beobachtet durch diese dämlichen, spanischen Gaffer in ihren Gärten und Eingängen. Ich habe mit der Zeit ziemlich laut mit mir selber und meiner Umgebung gesprochen und meine Wortwahl war dabei nicht unbedingt völkerverbindend. Zum Glück versteht da niemand Bärndütsch.

So vertrieb ich mir die Zeit und die Temperatur sank auf recht angenehme 35 Grad. Ich fand schliesslich wieder einen Weg zurück auf die Hauptstrasse und zu einem Hostel in Béjar. Nach dem Zimmerbezug ging ich Abendessen. Es war mittlerweilen 20:00h vorbei. Aber hier essen die Spanier halt nicht vor 21:00h. So habe ich mich halt von Tapas ernährt und habe es kein bisschen bereut. Was gibt’s besseres als diese vielfältigen, schmackhaften Leckerbissen, zusammen mit viel Wasser und einem kräftigen, spanischen Rotwein?! An einem nunmehr milden, spanischen Abend in einem Strassencafe mit Sicht auf die promenierenden Menschen und Autos. Und schon war ich wieder im Reinen mit mir und meiner Umwelt!

 

31.7.17 
Ankunft ca. 19:00h in St. Martin-de-Seignanx nördlich Bayonne mit 52’760km.

Heute gabs eigentlich keine besonderen Vorkommnisse. Ich fuhr auf der Autobahn von Salamanca bis Bayonne. Punkt. Ausser einem kleinen Stau kurz vor Irun lief alles glatt. Auslöser des Staus war ein brennender Camion. Er war mit Altpapier beladen und in der Tschechei immatrikuliert? Ja, wenn man wüsste, was da so alles in der Gegend herumgekarrt wird. Ich denke das würde manch einem den Hut lüpfen!

Heute wars nicht annähernd so heiss wie gestern. Richtig angenehm. Im Norden von Spanien wurden die Wolken immer dichter und hier in Bayonne haben wir grauen Himmel. War sicher positiv für Leo, die Autobahn von Vittoria nach Irun hats nämlich in sich. Ein Auf und Ab wie auf der Achterbahn.

Hier in St. Martin-de-Seignanx habe ich nun einen netten Campingplatz gefunden. War direkt an der Strasse angeschrieben, völlig problemlos. Nicht so ein Cabaret wie gestern. Ganz ohne Handy und so. Damit hat die App noch einen letzten Versuch frei, bevor ich sie ins Nirvana befördere. Vielleicht funktionierts ja das nächste Mal. Aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei 🙂

 

1.8.17 
Ankunft ca. 18:00h in Le Verdon-sur-Mer mit 53’081km. Der Ort vis-à-vis von Royan, über die Mündung der Gironde gesehen. Ab hier gibt’s eine Fähre nach Royan.

Letzte Nacht gabs ganz wenig Regen, nun hat das Wetter aufgeklart. Ich fand Unterschlupf auf dem Camping Sunêlia. Es ist ein wunderschöner Abend, nicht zu heiss, ein wenig Wind. So wie man’s gerne mag. Das Zelt steht und in einer Stunde geh ich essen. Moules/Frites ist heute der Special, meine Leibspeise.

Die Route führte mich heute nördlich durch die Departements Landes und Gironde. Anders als auf dem Hinweg war die Strecke sehr angenehm. Der einzige Fehler war, am Bassin d’Arcachon ein wenig Sight-seeing einzuplanen. Das ist in der Hochsaison eine dumme Idee. Ich stand mit tausenden gestressten Franzosen genervt auf den Strassen herum. Alle wollten sie das Bassin, Cap Ferret und die Dune du Pyla sehen. Ich hätte es eigentlich besser wissen müssen 🙁

Daneben lief alles super. Ich konnte die neue Geräusche orten, welche mich gestern anfangs ängstigen und danach einfach nur nervten. Unglaublich, der Leo hat zwei Komfort-, sprich Verkleidungselemente. Eine linke und eine rechte Türverkleidung. Und die rechte tschäderet seit gestern!? Der logische Schluss sagt mir, dass diese 2 Komfortelemente zuviel sind. Wo nichts ist, kann auch nichts lärmen.

Anmerkung, leider: Das Essen mag ja recht sein hier, aber der Service ist sowas von hundslausig. Jetzt warte ich eine geschlagene halbe Stunde auf den Special und Getränke gabs auch nur auf Nachfrage. Vom Brotkorb wollen wir gar nicht sprechen. Elend, da sind wohl schon Gäste verhungert!

Anmerkung 2: Nach einer Stunde verliess ich das Restaurant nach einem Entrée (Salat) und etwas Rotwein. Bezahlen musste ich nichts. Das kommt ja praktisch einem Schuldeingeständnis gleich. Aber Hunger habe ich immer noch 🙁

 

2.8.17 
Ankunft ca. 18:30h in Sainte Pazanne mit 53’364km. Das ist kurz vor Nantes, in östlicher Richtung. Ich nächtige hier im Hotel Le cheval blanc. Ist übrigens eines der aussterbenden Gattung mit den wirklich schlechten Matratzen und den bleischweren Duvets. Und deshalb nicht unbedingt empfehlenswert. Hätte ich doch wohl besser einen Campingplatz gesucht. Die App hätte ja noch einen Versuch frei 🙂

Viel mehr gibt’s zum heutigen Tag nicht zu sagen. Die Fahrt mit der Fähre über die Gironde war schön, Royan der blanke Horror. Und Markt war da auch noch. Obschon ichs besser wissen müsste, bin ich danach gleichwohl in nördlicher Richtung der Küste gefolgt. Speziell von der D38 ab Olonne-sur-Mer versprach ich mir, wider besseren Wissens, einiges.

Die Erwartungen haben sich aber nicht erfüllt. Obschon die Strasse am Meer entlang führt, bekommt man dieses nie zu Gesicht. Und all die kleinen, herzigen Dörfer sind zu riesigen Feriensiedlungen mutiert. In denen sich im Moment riesige Menschenmassen auf den Füssen und in Staus herumstehen.

Da gilt es Morgen, definitiv die Notbremse zu ziehen und die Küste zu verlassen.

 

3.8.17 
Ankunft ca. 18:30h in auf dem Camping Municipal von Saint-Martin-d’Auxingy mit 53’775km. Das ist etwas nördlich von Bourges.

Meine App hat mich über Google-Maps zielsicher zu diesem Campingplatz geführt. Da gibt es also nichts zu husten. War vielleicht eher am Anwender, dass es die ersten Male nicht so top geklappt hat?

Von Nantes bis hier war es gefühlt eine einzige Gerade, welche mich hierhin geführt hat. Unglaublich, wie wenig Kurven es hier gibt. Und grossartig, diese Weite oder dieser Big Sky, wie die Amis sagen. Kansas lässt grüssen.

Und immer mit diesem starkem Wind im Rücken. Der weht unablässig. Es ist überall knochentrocken hier. Bei neben der Strasse pflügenden Bauern fährst du durch eine dichte Staubwand. Wenn sie dir auf der Strasse entgegenkommen, machst du dich besser ganz klein. So riesig sind ihre Traktoren. Unglaublich, diese Effizienz und gleichzeitig diese Hilflosigkeit. Denn manchmal stehen diese Traktoren auch am Strassenrand, geschmückt mit Transparenten wie: Je suis élévateur. Je meurs!

 

4.8.17 
Ankunft ca. 17:00h in auf dem Camping Municipal von Humes-Jorquenay kurz vor Langres an der N19 mit 54’067km.

Die Luft ist raus, ich mag nicht mehr. Morgen gehts über Vesoul und Besançon nach Hause. Genug Kilometer gespult, ich habe alles gesehen. Sogar einen Garagenfund habe ich gemacht. Die ganze Geschichte war aber eher Renault-lastig und der Mann (Inhaber?) leider stumm wie ein Fisch 🙂

Das Zelt ist schnell aufgestellt, da habe ich mittlerweile Routine. Der Campingplatz ist sehr auf der einfachen Seite, was die sanitären Anlagen angeht. Ist aber sicher günstig, gestern wars ja wirklich vollkommen gratis. Und füllt sich wohl deswegen zusehends mit Holländern.
Nachschlag: gratis ist nicht, die Nacht kostet €8.60. Das ging schon günstiger (Gannat). Und da war nun wirklich alles top. Aber eben nicht an der Nationale gelegen und Nähe Autobahnausfahrt .

Die Landwirtschaft lärmt herum, seien es nun die Traktoren von vorne oder der Hühnerhof auf der hinteren Seite. Schlimmer noch, Gänse gibt’s da auch noch. Und einen Hahn, dem offenbar entgangen ist, dass man nur am Morgen kräht?! Nun, ich werde auch diese Nacht durchstehen.

 

5.8.17 
Ankunft ca. 15:00h zuhause in der Kilchenfeldstrasse in Bern mit 54’359km. Damit beschliesse ich einen Reise über 5’606km!

Ich verzichte hier auf ein Fazit. Habe im Bericht alles gesagt. Das Welttreffen Ericeira 17 war ein Grossanlass mit seinen schönen und weniger schönen Seiten. Diese Aussage gilt auch für die Hinfahrt zusammen mit Stefan und meine alleinige Rückfahrt. Manchmal wunderschön und sehr bereichernd, manchmal monoton und einfach nur mühsam. So wie das normale Leben halt. Und doch wieder anders. Ganz anders. Ich würde so eine Reise sofort wieder machen! admin

Weiter Bilder und Jubelvideos findet ihr auf unserem Media-Pool